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Wann gerät der Mensch in eine berufliche Sackgasse? Und wie kann er sich selbst wieder herausmanövrieren?

Dieser Überblicksartikel beschäftigt sich mit dem Umbruch unserer Arbeitswelt, der von der Digitalisierung geprägt ist. Neben der Unsicherheit der Arbeitsplätze wachsen für Arbeitnehmer und -geber die Anforderungen an Mobilität, Flexibilität, Lernbereitschaft, Vielseitigkeit, Erreichbarkeit und Belastbarkeit. Für Middle-Ager (die heute 35- bis 50-Jährigen) gewinnen zudem Sinnfragen in der Lebensmitte, Individualisierung und alternative Lebensentwürfe an Bedeutung. Am Beispiel des Planspiels Kairos® wird aufgezeigt, wie Middle-Ager spielbasiert berufliche Herausforderungen bewältigen können.

Unsere Arbeitswelt im Wandel

Der Wandel in der deutschsprachigen Arbeitswelt ist vom technologischen Fortschritt in globalisierten Märkten geprägt – und das setzt Arbeitgeber und Arbeitnehmer an verschiedenen Fronten unter Druck. Während für Arbeitgeber die Grenze zwischen Innen und Aussen verschwimmt, weil die zentrale Steuerung und Kontrolle in Unternehmen durch Marktmechanismen abgelöst werden, wird die Beziehung der Arbeitnehmer zum Arbeitgeber immer stärker von Preis und Qualität bestimmt. Der Zugang zum globalisierten Markt ist für jeden möglich und die Zeitgrenze zwischen Arbeit und Privatleben löst sich auf, weil klassische Arbeitszeitmodelle durch flexible, individualisierte Arbeits- und Lebensmodelle ersetzt werden – und weil der prozessorientierte Arbeitsablauf der Projektisierung weicht. Die jederzeit und überall arbeitsfähigen und -willigen Arbeitnehmer in der 24/7 Gesellschaft sind gefordert, die Arbeit in das Leben so einzubetten, dass der richtige Workstyle den Lifestyle bestimmt.

Folglich ist erfolgreich, wer es schafft, sich selbst zu managen, zu vermarkten und in sich zu investieren, sich gut zu vernetzen sowie hoch qualifiziert und sozial kompetent zu sein. Hierbei unterstützen neue Produkte, die im Zuge der Digitalisierung entstehen. Durch effiziente Überwachungstechniken helfen sie als Alltagsnavigatoren bei der Organisation des Arbeits- und Lebensalltags und erfüllen das Bedürfnis nach Selbstoptimierung. Gleichzeitig wächst der Wunsch nach persönlichem Wohlgefühl, Privatsphäre und Individualisierung des eigenen Lebensstils, was zwangsläufig zu mehr Eigenverantwortung, aber auch zu einer temporären Rückkehr in das Analoge führt: Handwerklichkeit, Entschleunigung, Selbermachen, Bessermachen.

Middle Ager in der Arbeitswelt

In der Arbeitswelt arbeiten derzeit zumindest vier Generationen miteinander: Die Nachkriegsgeneration (geboren bis 1955), die Baby Boomer (Geburtsjahrgänge 1956 bis 1965), die Generation X (Geburtsjahrgänge 1966 bis ca. 1980), die Generation Y (geboren bis 1995) sowie die Generation Z (geboren nach 1995), die jeweils bestimmte Verhaltensweisen, Fähigkeiten, Wertesysteme und Bedürfnisse an den Arbeitsplatz mitbringen.

Die heute 35- bis 50-jährigen Middle-Ager (Generation X) sind gut ausgebildete, selbstbewusste Individuen, die hohes Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit und starken Leistungswillen zeigen, gut vernetzt und teamfähig sind sowie auf Gleichberechtigung setzen. Zudem sind sie aufgeschlossen gegenüber neuen Themen, neuer Technik und neuen Medien. Sie befinden sich heute in der Lebensmitte, beginnen, Bilanz zu ziehen und stellen fest, dass sie ihre Pläne teilweise nicht erreichen konnten aufgrund

  • einer schlechten beruflichen Startphase, starker beruflicher Unsicherheit und mitunter Arbeitslosigkeit.
  • von Interessenskonflikten zwischen später Familienphase und entscheidender Karrierephase.
  • blockierter Aufstiegschancen durch ältere und jüngere Generationen.


Aus dem Gefühl heraus, übergangen zu werden, setzen sie auf Eigenleistung und Eigenversorgung, treiben private Anforderungen und berufliche Karriere parallel voran und sind erheblichen Belastungen ausgesetzt.

Middle Ager im beruflichen Umbruch

Die berufliche Rolle ist nach Strauß (2003) von den natürlichen Lebensstadien geprägt und dokumentiert den Stand der persönlichen Entwicklung. Nach ihrem Vier-Phasen-Modell sind die Stadien in vier Dezennien untergeteilt, denen vier Phasen der beruflichen und persönlichen Entwicklung entsprechen, die aufeinander aufbauen. Dabei vollzieht sich die Entwicklung der Persönlichkeit an den Übergängen, die als einschneidende Erlebnisse wahrgenommen werden und in denen der Mensch gefordert ist, aktiv zu werden und Dinge anzustoßen. Bemerkbar machen sich Übergangsphasen häufig – und meist unterschwellig – durch Langeweile, Frustration, Unzufriedenheit, gebremsten oder gesteigerten Schaffensdrang. Sie können über mehrere Monate bis zu mehreren Jahren andauern. 

Middle-Ager haben mindestens ein Drittel ihres Berufslebens hinter sich und befinden sich im Übergangsprozess von der Bewährungs- in die Profiphase, die durch Weichenstellungen geprägt ist. Sie stehen vor der entscheidenden Frage, ob sie so weitermachen sollen wie bisher oder ob sie sich noch einmal umorientieren sollen. 

Herausforderungen spielbasiert bewältigen

Das Spielen besitzt eine zentrale Funktion in der Entwicklung der Menschen, weil Menschen spielen, um sich auf den Ernstfall vorzubereiten und um zu lernen. Kulturgeschichtlich würden die Spiele dabei umso komplexer, je weiter die Entwicklung des Gehirns und des reflexiven Ich- Bewusstseins fortschreitet.

„Es scheint somit eine Art von Ko-Evolution von Spiel und Weiterentwicklung der menschlichen Spezies zu geben.“ 

Die Simulation verschiedenster Lebensbereiche ermöglicht Spielenden, praxisnah zu erfahren, welche Faktoren und Dynamiken in für sie relevanten Lebenswelten wirksam werden. Sie schafft die Voraussetzung, nachhaltig anwendbares Wissen und soziale Kompetenzen auszubilden, um ein tieferes Verständnis von bestehenden Prozessen sowie von konkreten Alternativen zu entwickeln – und das in einer von hoher intrinsischer Motivation der Spielenden geprägten Lernumgebung.

Ein Laufbahnspiel für berufliche Umbruchsphasen

Laufbahncoaching bedeutet, die Gestaltungsbereitschaft und den Gestaltungswillen des Klienten für ein autonomes Selbstmanagement zu aktivieren, zu fördern und zu begleiten, um reflektierend und zukunftsorientiert nach Fragen und Antworten zu suchen, daraus Schlüsse für sich zu ziehen und entsprechend zu handeln.

Im Laufbahncoaching kommen vielfach Fragebogen zum Einsatz, verschriftlichte Karriereratgeber schreiben sich gerne das Fördern von Selbstreflexion und Handlungsfähigkeit auf die Fahnen. Diejenigen, die sich stattdessen lieber auf einen kreativen Prozess einlassen wollen, können sich jetzt auch spielerisch durch den Neuorientierungsprozess navigieren – mit dem Planspiel Kairos®. Das Selbstcoachingtool wurde speziell für Middle-Ager entwickelt und verhilft ihnen in beruflichen Veränderungsprozessen zu neuen Lösungswegen bei Laufbahnfragen, zu einer spielerischen Einstellung bei beruflichen Herausforderungen und zur Durchbrechung der Alltagsroutine. Das Spiel basiert auf Methoden der Planspieltheorie, des Veränderungs- und des Laufbahn-Coachings sowie auf dem Modell der monomythischen Heldenreise und ist wissenschaftlich fundiert. 

Spiel und Coachingmodell bestehen aus einer Briefing-, Spiel- und Debriefingphase. Während der Briefingphase setzen sich Middle-Ager mit ihrer derzeitigen Situation auseinander. Inspiriert von den Standortkarten machen sie zunächst eine Standortbestimmung, fokussieren sich in eine Richtung und setzen sich mit sich selbst auseinander. Ist die Briefingphase abgeschlossen, beginnt das eigentliche Spiel. Hierfür kommen unterschiedlich gewichtete Aufgabenkarten zum Einsatz, die Spielende darin fördern, die eigenen Potentiale zu erkennen und allfällige Blockaden zu lösen. Wirksam ist das Spiel, weil es Middle-Ager dazu bringt, ihre eigene Kreativität zu entfalten, Intuition und Achtsamkeit zu schulen, Aufgaben zur eigenen Zufriedenheit zu erledigen, sich in Eigenverantwortung zu üben, Prüfungen und Bewährungsproben zu bestehen und den eigenen Optionsradius zu vergrößern. Weniger wirksam ist das Spiel in Bereichen, in denen sich Middle-Ager eher hilflos fühlen, weil der Antrieb, sich aufzuraffen, fehlt und die Selbstwirksamkeitserwartung geringer ist. Ein Spieljournal führt Middle-Ager einerseits während des gesamten Prozesses durch das Spiel und gewährleistet andererseits den Transfer in den Alltag. So haben Middle-Ager den Spielverlauf selbst in der Hand, sammeln und verschriftlichen ihre Gedanken, reflektieren, betrachten neu/anders, konkretisieren unbestimmte Vorstellungen und entwickeln Ideen für die Umsetzung. Und das Besondere am Spiel: Middle-Ager stoßen im Vergleich zu herkömmlichen Karriereratgebern ihren Veränderungsprozess nicht nur an, sondern ziehen ihn auch aktiv durch. Coaches profitieren gleich zweifach, denn einerseits bringt der Austausch mit einem Sparringpartner für Middle-Ager mehr Power auf den Boden, andererseits liefern die attraktiv illustrierten Spielkarten gezielte Impulse für Laufbahngespräche.

Die Einsatzeignung des Spiels und des Coachingmodells wurde mit einer Methodenvalidierung nachgewiesen. Insgesamt waren die Probanden zufrieden mit dem Spiel. Für die Mehrheit der Probanden war das Spiel eine Unterstützung in der Neuorientierung, ihre Erwartungen an das Spiel konnten erfüllt werden. Der Transfer in den Alltag kann durch die Hinzuziehung eines Sparringpartners verstärkt werden.

Das Selbstcoachingtool Kairos® ist in diesem Onlineshop erhältlich.

Glossar

Middle-Ager: In diesem Überblicksartikel wird für die von Oertel (2014) definierte Generation X (Geburtsjahrgänge 1966 bis ca. 1980) die Bezeichnung Middle-Ager verwendet.

Planspiel (engl. Serious Game): Nach Eiselen, Manahl und Kriz (2014) zählen Serious Games zur Sparte der Planspiele, die die Realität in einem Modell abbilden, Spass machen dürfen und zum Ziel haben, Wissen und Handlungskompetenz zu erwerben.

Methodenvalidierung: Die Einsatzeignung des Planspiels Kairos® wurde mittels 4-wöchigem Spieltest (16 Probanden aus der relevanten Zielgruppe) und anschliessender Befragung überprüft.

Quellen

Dubois, M. (2006): Coaching bei Laufbahnfragen. In: Lippmann, E. (Hrsg.), Coaching – Angewandte Psychologie für die Berufspraxis. (S. 214-221). Heidelberg: Springer.

Dziemba, O. / Wenzel, E. (2014). # Wir. Wie die Digitalisierung unseren Alltag verändert. München: Redline Verlag

Eiselen, T. / Manahl, W. / Kriz, W. (2014). Umgang mit Komplexität spielerisch lernen. In: wirtschaft + weiterbildung, H. 5 (S. 38-43). Freiburg: Haufe-Lexware

Kriz, W. / Nöbauer, B. (2003). Debriefing von Planspielen. In: Planspiele in der beruflichen Bildung. Zugriff am 3.11.2014, www.scholar.google.ch, pdf von zms.dhbw-stuttgart.de

Oertel, J. (2014). Baby Boomer und Generation X – Charakteristika der etablierten Arbeitnehmer-Generationen. In : Klaffke, M. (Hrsg.), Generationen-Management (S. 27–56). Wiesbaden: Springer Fachmedien

Schneider, H. (2012). Die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit verwischt. In: Beise, M. / Jakobs, H. (Hrsg.), Die Zukunft der Arbeit. (S. 19-21). München: Süddeutsche Zeitung

Strauß, S. (2003). Viel erreicht – was nun? Entscheidungshilfen für Ihre nächsten Jahre im Beruf. Frankfurt/Main: Campus Verlag

Waser, P. (2010). Die Zukunft des Arbeitens. Zürich: Stiftung Produktive Schweiz. Zugriff am 16.04.2015, www.produktive-schweiz.ch/ ProduktiveSchweiz/media/Produktive Schweiz/Docs%20de/die-neue-arbeits-welt.pdf

Kurzbiografie

Heidrun Föhn, M. A., hat an der Zürcher Hochschule der Künste Design mit Spezialisierung in Serious Game Design und an der Universität Innsbruck Strategisches Marketing studiert, eine Ausbildung zur Kommunikationsdesignerin und Weiterbildungen u. a. in Idiolektik, Gesprächsführung und Design Thinking absolviert. Nach leitenden Funktionen in renommierten Werbeagenturen und einer internationalen Kulturinstitution ist sie heute Geschäftsführerin der Rotmont GmbH und spezialisiert auf Gamification, Planspielentwicklung, Motivationsdesign, Moderation von spielbasierten Workshops und Branding. Föhn wurde ausgezeichnet mit internationalen Design-, Marketing- und Filmpreisen. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen die Bereiche Planspieltheorie, Gamification, Trendforschung und soziokulturelle Entwicklungen. 

 

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Ein spielbasiertes Selbstcoachingtool ersetzt den Laufbahncoach

Die Bilanz in der Lebensmitte stellt viele 35- bis 50-Jährige vor die Mammutaufgabe, sich beruflich neu zu orientieren. Die Game Designerin Heidrun Föhn hat ein analoges Selbstcoachingtool entwickelt, das den Coach ersetzt.

«In der Lebensmitte angekommen», so die Planspielentwicklerin Heidrun Föhn, «ziehen viele Berufstätige Bilanz und fragen sich, ob sie ihre Karriere weiterverfolgen, ihren beruflichen Status erhalten oder sich doch noch einmal umorientieren wollen.»

Heidrun Föhn, studierte Designerin, Markenexpertin und Kreativstrategin bei der Rotmont GmbH in Pfäffikon SZ, beschäftigte sich mit der Neuorientierung in der beruflichen Laufbahn und entwickelte für Berufstätige 35- bis 50-Jährige ein Planspiel, das den Coach ersetzt.

Berufliche Herausforderungen spielbasiert bewältigen

In der Lebensmitte wird vielen Berufstätigen bewusst, dass nicht mehr alle Optionen offen stehen, sich die Rahmenbedingungen des persönlichen Lebens verfestigt haben und der Job nicht mehr mal eben gewechselt werden kann. Veränderungsphasen machen sich unterschwellig bemerkbar durch Langeweile, Frustration, Unzufriedenheit sowie durch gebremsten oder gesteigerten Schaffensdrang. «Spiele können hier helfen, weil sie Lebensbereiche simulieren und dadurch ermöglichen, Alternativen zu entwickeln», so Föhn.

Kairos® ist ein analoges Selbstcoachingtool, das alleine gespielt wird. Gemäss Föhn entschleunigt man sich während des Spiels, setzt sich spielerisch mit Herausforderungen auseinander und coacht sich intensiv. Das Tool besteht aus einem Kartendeck und einem Spieljournal. Die Spielmechanik fundiert auf Methoden der Planspieltheorie, des Veränderungs- und des Laufbahncoachings. Entwickelt hat Föhn das Tool im engen Austausch mit Berufstätigen in der Lebensmitte, Laufbahncoaches und Game Designern im Rahmen ihrer Masterarbeit an der Zürcher Hochschule der Künste. Es fördert die eigene Kreativität, die intuitive Aufmerksamkeit, die Achtsamkeit und macht neue Optionen für die berufliche Laufbahn sichtbar.

Wissenschaftlich fundiert und nachweislich wirksam

Das Selbstcoachingtool Kairos® wurde in einem qualitativen Playtest-Verfahren mit berufstätigen Frauen und Männern in der Lebensmitte erfolgreich getestet. Der Spieltester Norbert Fehr dazu: «Kairos® hat mir geholfen, meine berufliche Situation von einer anderen Seite zu betrachten, neue Möglichkeiten in Betracht zu ziehen und handlungsfähig zu werden. Der Spieltest ist nun ein Jahr her und rückblickend hat das Tool vieles ausgelöst. Inzwischen habe ich die Branche gewechselt und mein Aufgabengebiet entspricht endlich dem, wovon ich immer geträumt habe».

Das Tool kostet so viel wie eine Stunde bei einem Coach und ist in diesem Shop erhältlich.